Auch der Vermittlungstext zu Onix musste aktualisiert werden... er wartet noch immer auf seine Menschen !!



Jetzt dauert es nicht mehr lange, dann feiere ich meinen dritten Jahrestag hier in der Tötungsstation auf Gran Canaria.
Wobei das ja eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Eigentlich ist es ein Grund zum traurig sein und weinen.
Andererseits bin ich zumindest noch am Leben. Viele andere Hunde, die ich in den bald drei Jahren hier hinter Gittern kennen gelernt habe, haben das Glück nicht. Die wurden an einem Mittwoch eingeschläfert.
Ich aber lebe.
Und ich habe sogar einen Namen.
Onix.
Geboren wurde ich etwa im April 2006.
Fünf Monate später bin ich dann hier hinter Gittern gelandet.
Eigentlich war mein Schicksal besiegelt.
Denn ich war schon als Junghund im Alter von fünf Monaten unsicher, ängstlich und habe mich dem Menschen gegenüber total distanziert verhalten.
Damals schon.
Dann war klar, daß ich ein großer, schwarzer Rüde werde.
Jedes für sich betrachtet hätte eigentlich schon gereicht, um mich einzuschläfern. Weil ich eigentlich keine Chance auf Vermittlung habe.
Was ja auch stimmt, wie sich jetzt zeigt.
Und trotzdem lebe ich.
Das habe ich Andrea zu verdanken.
Sie versucht uns Hunden hier in der Tötungsstation zu helfen.
Und sie hat sich in mich verliebt.
Wider allen Verstands hat sie beschlossen, mich in einen der sicheren Zwinger umzusetzen.
Und da lebe ich jetzt seit fast drei Jahren.
Wobei leben so relativ ist.
Okay, ich esse, trinke und erledige meine Geschäfte.
Ich halte Siesta in der Sonne und stelle mich bei Regen unter.
Aber das ist auch schon alles, was ich vom Leben habe.
Menschen gegenüber bin ich immer noch sehr distanziert. Andrea kommt mich zwar mehrmals in der Woche hier im Zwinger besuchen. Aber so richtig Vertrauen habe ich zu ihr noch nicht gefaßt.
Und wenn jemand anders mit zu Besuch kommt, Steffi zum Beispiel, dann sehe ich zu, daß ich möglichst einen Sicherheitsabstand zwischen mir und den Menschen habe. Auch von Andrea lasse ich mich nicht gerne anfassen, wenn Fremde mit dabei sind.
Okay, wenn ich dann irgendwo liege und jemand kommt zu mir, dann lasse ich mich anfassen. Aber ich könnte nicht behaupten, daß ich die Berührung genieße. Eher im Gegenteil.
Am wohlsten fühle ich mich zwischen anderen Hunden.
Im Prinzip bin ich mit allen Artgenossen verträglich. Bei Mädels bin ich wirklich charmant. Von anderen Rüden lasse ich mir aber natürlich nicht alles gefallen. In den Jahren hinter Gittern habe ich schon gelernt mich zu behaupten.
Von daher wäre das ideale Zuhause für mich eines, in dem ein oder zwei große, souveräne Hundedamen leben, an denen ich mich orientieren kann und die mir Sicherheit geben.
Nicht nur im Umgang mit dem Menschen, sondern überhaupt.
Ich kenne ja nichts und weiß ja nichts.
Hin und wieder nimmt mich Andrea aus dem Zwinger raus. Mittlerweile laufe ich auch schon einigermaßen mit ihr mit. Aber wenn irgendwo in meiner Nähe ein fremdes Geräusch ist, eine Autotür knallt, was auch immer, dann möchte ich am liebsten im Boden versinken.
Ja, man muß mich sehr, sehr, sehr geduldig an der Pfote nehmen.
Ich bin ein Hund, an den man keinerlei Anspruche stellen darf.
Wenn ich mein Geschäft im Haus erledige, muß das genau so egal sein, wie wenn ich ins Sofa beiße.
Ich muß alles lernen. Wie ein Welpe.
Nur daß ein Welpe den Vorteil hat, daß er eben NUR nichts kennt und nichts weiß. Bei mir kommen über dreieinhalb Jahre negative Erfahrungen dazu, die es erst mal aufzuarbeiten gilt.
Das geht nicht von heute auf morgen. Nicht von diesem Monat auf den nächsten. Und sicher auch nicht von einem Jahr aufs andere.
Ich bin ein Problemhund und werde das auch den Rest meines Lebens bleiben.
Von daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß ich den Rest meines Lebens hier in der Tötungsstation verbringen werde.
Weil ich eben eigentlich unvermittelbar bin.
Was sich im Alter von fünf Monaten abgezeichnet hat, ist Realität geworden.
Trotzdem gebe ich die Hoffnung noch nicht so ganz auf, daß ich nicht vielleicht doch irgendwann mal Glück habe.
Daß es irgendwo Menschen gibt, die mich einfach leben lassen, ohne etwas von mir zu fordern.
Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, melden Sie sich doch bei Steffi Ackermann in Zülpich.
Sie kennt mich schon ganz, ganz lange und besucht mich immer wieder hier in der Tötungsstation. Sie kann Ihnen sicher noch mehr von mir erzählen.



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